Leseprobe: „Todesursache Flucht“, 3. Auflage, herausgegeben von Anja Tuckermann und Kristina Milz

Für die vergangenen dreißig Jahre sind inzwischen mehr als 51.000 Menschen, die auf der Flucht nach und in Europa ums Leben gekommen sind, in einer Liste dokumentiert, die das europaweite Netzwerk UNITED for Intercultural Action mit Sitz in Amsterdam führt. Zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2018 erschien die Liste erstmals bei Hirnkost als Buch mit dem Titel „Todesursache: Flucht“ – unterstützt von mehr als 60 Organisationen, die es bei ihren Aktionen einsetzten. Es gab Theater- und Schullesungen, Kulturevents und viele Diskussionsveranstaltungen. Die Erstauflage (10.000 Exemplare) war zum Erscheinungstermin quasi bereits vergriffen. Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni 2023 erscheint nun die dritte, überarbeitete Auflage mit der bis Februar 2023 ergänzten Liste.

Die meisten Toten sind ohne Namen verzeichnet. Die Herausgeberinnen Kristina Milz und Anja Tuckermann haben einige Namen recherchiert und möchten die Menschen, die sie waren, dem Vergessen entreißen, um das Ausmaß dieser Tragödie besser zu fassen zu bekommen – und der Debatte um Flucht und Tod wieder ein menschliches Antlitz zu geben.

Die mehr als 600 Buchseiten umfassende Liste wird um kurze Porträtgeschichten von einigen der Gestorbenen, Berichten von Überlebenden und Beiträgen von Heinrich Bedford-Strohm (Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern / Weltkirchenrat), Carlos Collado Seidel (Universität Marburg), M. Moustapha Diallo (Publizist), Rolf Gössner (Internationale Liga für Menschenrechte), Grupa Granica aus Polen, Angela Hermann (NS-Dokumentationszentrum München), Stephan Lessenich (Frankfurter Institut für Sozialforschung), Heike Martin (Refugio München), Yirgalem Fisseha Mehbrahtu (Schriftstellerin und Journalistin), Karl-Heinz Meier-Braun (Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen), Doris Peschke (Kommission der Kirchen für Migranten in Europa), Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung), Stephan Reichel (matteo e.V. – Asyl und Kirche), Estela Schindel (Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)), SOS Bihać aus Bosnien, SOS Humanity u. a. ergänzt.

Die Initiatorinnen des Projektes sind:

Kristina Milz, Jahrgang 1988, schreibt als freiberufliche Autorin Essays, Reportagen und Porträts, die sie immer wieder auch in den Nahen Osten führen; als Historikerin setzt sie sich insbesondere mit der transkulturellen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinander. Für ihre Arbeiten erhielt sie Preise und Stipendien. kristinamilz.com/todesursache-flucht/

Anja Tuckermann, geboren 1961, ist Autorin von Romanen, Erzählungen, Theaterstücken, Libretti und Bilderbüchern. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet und in 13 Sprachen übersetzt.

Leipziger Buchmesse: Veranstaltungen im Überblick

Die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür, und das bedeutet: Es gibt viele Veranstaltungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte! Hier liefern wir euch alle Events im Überblick.

Los geht es am 28.04. mit der Preisverleihung zum Literaturwettbewerb Klimazukünfte 2050.

Der Literaturwettbewerb KLIMAZUKÜNFTE 2050 wurde von dem Klimahaus Bremerhaven, dem Hirnkost Verlag und dem Autor Fritz Heidorn ins Leben gerufen. Unterstützt wird der Literaturwettbewerb durch den VS Bundesvorstand, die Writers For Future, Respekt! – Die Stiftung, finanziert wird er von Sylvia Mlynek und Fritz Heidorn aus Oldenburg.
Ziel der Ausschreibung war es, professionelle sowie nicht-professionelle Autor*innen dazu anzuregen, sich mit dem Klima und möglichen Zukünften ohne Genre- und Gattungsrestriktionen literarisch auseinanderzusetzen. Zahlreiche Schriftsteller*innen folgten dem Aufruf und schrieben Geschichten, in denen sie nicht nur ihre Gedanken und Gefühle zugänglich machten, sondern zu einer eigenen Erzählform fanden.
Die diesjährigen Gewinner*innen in der Kategorie Kinder und Jugendliche sind Emilia Theisen („2050 – Du kommst nicht weg“) und Meike Liang („goldschnittleben“). Die Hauptpreise in der Kategorie Erwachsene erhalten dagegen Christian Endres („Die Straße der Bienen“), Lilli Hochstadt („Wir sind die Zukunft“) und Janika Rehak („Nordmeer-Delfine“).

Ort: Forum Sachbuch Halle 4 – Halle: 4, Stand: E100
Beginn: 13:00 Uhr


Am Nachmittag tritt Verlagsleiter Klaus Farin anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Hirnkost auf die Bühne, um über die aktuelle Lage des Indepent-Buchhandels zu sprechen.

Ort: Phantastische Leseinsel 2 – Halle: 3, Stand: D401
Beginn: 16:00 Uhr


Kurz danach geht es mit der Veranstaltung „Nie jestem królem waszych sumień. / / Ich bin nicht der König Ihres Gewissens“ weiter, ein Leseabend zu interreligiöser Toleranz, Transkulturalität und mehrsprachiger kultureller Bildung. Veranstalter: Hirnkost, Kooperationspartner*innen: Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V., Polnisches Institut Leipzig, Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur e.V. (ZEOK), ICATAT, Fachschaftsrat DAF/DAZ, Herder-Institut Universität Leipzig

Ort: Polnisches Institut, Markt 10, 04109 Leipzig
Beginn: 17:00 Uhr


Ausklingen lassen wir den Abend schließlich mit der Buchpremiere zu Christian Kellermanns Debütroman Adam und Ada.

Darin schickt Kellermann die schwedische KI-Forscherin Ada MacAllan in einen stillgelegten Eisenbahntunnel unter dem Atlantik, um das Rätsel der Proteinfaltung zu lösen. Dieser Tunnel zwischen USA und Europa ist das Motiv des Science-Fiction-Bestsellers von Bernhard Kellermann aus dem Jahr 1913. In Adam und Ada geht es um den Nutzen sowie die Gefahren von Künstlicher Intelligenz und Selbstoptimierung, Größenwahnsinn und Karrierezielen und das Streben nach Unendlichkeit.

Zum Autor: Christian Kellermann beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz und ihren Auswirkungen auf Arbeit und Gesellschaft. Er ist Senior Researcher am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und Fellow am Institut für die Geschichte und Zukunft der Arbeit. Als Professor lehrt er an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Als Autor treibt ihn nicht zuletzt die eigene Geschichte an: Sein Debut-Roman „Adam und Ada“ ist inspiriert vom Science Fiction-Klassiker „Der Tunnel“ von Bernhard Kellermann aus dem Jahr 1913.

Ort: Ambrosia, Prager Straße 153, 04317 Leipzig
Beginn: 18:30 Uhr


Am 29.04. ist Eva Quistorp, Mitbegründerin der Grünen und der Frauen für den Frieden, am Hirnkoststand und signiert Bertha von Suttners weltbekannten Antikriegsroman Die Waffen nieder!

Ort: Halle 3, C 305
Beginn: 13:30 Uhr


Danach gibt es ein Meet & Greet mit den Wackenbuch-Herausgeber*innen Dr. Lydia Polwin-Plass und Dr. Michael Gläser.

Ort: Halle 3, C 305
Beginn: 15:00 Uhr


Wir freuen uns außerdem auf die Podiumsdiskussion Oh, oh, O-Ton-Bücher! Studies erforschen Dunkelfelder mit Dr. Kurt Möller und Milena Irmgart. Präsentiert wird eine Buchreihe zur Jugendforschung, die Jugendliche selbst zu Wort kommen lässt.


Seit über 20 Jahren werden in sozialwissenschaftlichen Lehrforschungsprojekten an der Hochschule Esslingen unter der Leitung von Prof. Dr. Kurt Möller diverse gesellschaftlich und dabei insbesondere jugendkulturell relevante Themen aufgegriffen, die gleichsam ‚auf der Straße liegen‘, aber kaum bearbeitet werden – jedenfalls nicht so, dass die Sicht Betroffener in den Mittelpunkt gerückt wird. Entstanden ist mittlerweile eine Reihe von rd. einem Dutzend Büchern voller authentischer Sichtweisen junger Menschen zu ganz verschiedenen Dingen, die sie bewegen: das Kerlsein leben, sich verlieben, konsumieren und Konsumbewusstsein entwickeln, den Sinn des Lebens suchen, sich engagieren, mit Pornographie umgehen, Zeit erfahren u. a. m. Die Veranstaltung stellt das Lehrforschungskonzept und die daraus entstandene Buchreihe im Hirnkost-Verlag vor und lädt zur Diskussion mit den Autor:innen darüber ein.

Ort: Lesetreff – Halle: 3, Stand: B400
Beginn: 15:30 Uhr

Leseprobe: „Die Lukasch-Vermutung“ von Christian Mähr

Was der Autor Theodor Lukasch vermutet, ist so ungeheuerlich, dass er sich niemandem anvertrauen kann: Kann es denn sein, dass jemand, den er gut kennt, Unglück über seine Feinde bringt – ohne von dieser „Gabe“ auch nur etwas zu ahnen? Aberglaube, Mystizismus – aber wenn sich doch, was laufend passiert, Lukaschs Vermutung bestätigt! Er muss etwas dagegen tun … Theodor meint es gut und handelt. Doch wie so oft zeigt sich auch hier: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Er setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die den Lauf der Geschichte verändern. – Ein Krimi über das Glauben, das Nicht-Wissen und den Unterschied zwischen beidem, eingebettet in die Eitelkeiten einer provinziellen Kultur- und Politikszene, grundiert mit Humor (dunkelgrau). Gemordet? Wird selbstredend auch.

Der neue Kriminalroman mit österreichischem Lokalkolorit von Christian Mähr.

Über den Autor:

Christian Mähr, geb. 1952 in Feldkirch/Vorarlberg, lebt heute in Dornbirn. Er ist Autor, Doktor der Chemie und war jahrelang Mitarbeiter des ORF für die Redaktion Wissenschaft und Umwelt. Er veröffentlichte zahlreiche Romane und Sachbücher, u. a.: „Magister Dorn“ (1987); „Fatous Staub“ (1991); „Simon fliegt“ (1998); „Die letzte Insel“ (2001); „Semmlers Deal“ (2008); „Alles Fleisch ist Gras“ (2010); „Der jüngste Tag des Peter Gottlieb“ (2018); „Carbon“ (2020); „Vergessene Erfindungen“ (2002, 2017); „Von Alkohol bis Zucker“ (2010).

Er schrieb auch mehrere Hörspiele und ein Theaterstück. Für „Fatous Staub“ erhielt er den Kurd-Laßwitz-Preis; „Alles Fleisch ist Gras“ wurde 2013 für ORF und ZDF verfilmt.

Neues im Hirnkost-Programm

Wir freuen uns, euch unsere neuen Bücher vorzustellen! In den letzten Monaten sind einige spannende, interessante, erhellende und phantastische Bücher erschienen, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Werft also einen Blick in unsere aktuellen Flyer:

Engagierte Literatur:

Science Fiction:

Verlagsmitarbeiter:in (m/w/d)

Der Hirnkost Verlag entstand 2003 aus dem Berliner Archiv der Jugendkulturen e. V. heraus, um die Erkenntnisse dieser einmaligen Institution zu publizieren. Er wird von Klaus Farin als Geschäftsführer ehrenamtlich geleitet. Der Fokus des Programms liegt auf soziokulturellen Sachbüchern, die durch themenbezogene Belletristik, autobiographische Erzählungen und eine wissenschaftliche Reihe ergänzt werden. Inhaltliche Schwerpunkte sind Jugend- und Subkulturen, Science Fiction und Migration/Flucht.

Wir suchen zur Verstärkung unseres Teams in Elternzeitvertretung eine:n Mitarbeiter:in (30 Stunden / Woche) für Produktmanagement, Autor:innenbetreuung, Versand und Büromanagement.

In einem kleinen Verlagsteam wie unserem (aktuell vier Personen) ist es wichtig, flexibel zu sein und Lust mitzubringen, sich mehreren Aufgaben parallel zu widmen.

Deine Herausforderungen:

  • Betreuung von Original- und Übersetzungsmanuskripten im Lektorat
  • Erstellung von Werbe- und Klappentexten
  • Autor:innenbetreuung rund ums Buch
  • Pflege der Produkte auf unseren Webseiten
  • Generierung von Marketingmaterial wie Interviews und Blogbeiträgen von und mit unseren Autor:innen
  • Coverbriefings und Koordinierung der Projekte mit den Layouter:innen
  • Terminierung und Meldung der Titel in vlb
  • Teilnahme an Messen und Veranstaltungen
  • Betreuung des Literaturwettbewerbs Klimazukünfte 2050
  • Allgemeines Büromanagement von der vorbereitenden Buchhaltung über Rechnungsstellung bis zur Betreuung des Posteingangs

Dein Profil:

  • Abgeschlossenes geisteswissenschaftliches Studium oder vergleichbare Qualifikation
  • Mehrjährige Berufserfahrung im Verlagswesen
  • Redaktions- und Textsicherheit
  • Interesse an den Schwerpunktthemen des Verlags: Jugend- und Subkulturen, Musik, Migration und Flucht, Science Fiction
  • Flexibilität und Eigenständigkeit
  • Deutsch und Englisch fließend in Wort und Schrift
  • Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit
  • Offenheit für neue Aufgaben und Herausforderungen
  • Führerschein der Klasse B von Vorteil

Wir bieten dir:

  • Einen Arbeitsplatz im Herzen Neuköllns
  • Flexible Arbeitszeiten 30 Stunden die Woche
  • Ein nettes Umfeld im kleinen Team
  • Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Einen Arbeitgeber, der mit dem Kulturgut Buch Bildung und Meinungsfreiheit fördert und sich für den Klimaschutz engagiert
  • Ein Gehalt von derzeit rund 1.500 Euro netto. Weniger wird es nicht, mehr, sobald der Verlagsumsatz wieder steigt.
  • Die Stelle ist zunächst formal befristet vom 1. Dezember 2022 bis zum 31. März 2024. Eine unbefristete Übernahme ist möglich.

Wenn du uns kennenlernen möchtest, schicke uns deine Bewerbung im PDF-Format (max. 5 MB) an prverlag@hirnkost.de (Klaus Farin, Melanie Wylutzki, Annette Staib).

Wir freuen uns auf dich!

Mehr über uns auf: www.hirnkost.de; shop.hirnkost.de

Buchausschreibungen

Dreadlocks. Über kulturelle Aneignung und die Hybridisierung der Welt

Die Fridays For Future luden eine Künstlerin, die bei ihrer Großdemonstration am letzten Freitag auftreten sollte, wieder aus, weil sie Dreadlocks trägt. Ethnopluralistische und identitäre Vorstellungen, die Idee, „Identität“ und „Kultur“ seien etwas Statisches und ließen sich quasi genetisch anhand von Hautfarben zuordnen, breiten sich offenbar immer mehr aus – auch in „linksalternativen“ und „fortschrittlichen“ Milieus. Zugleich wissen wir, dass Kultur – und erst recht Mode – komplexer entsteht und sich weiterentwickelt, dass fast alle heutigen (Jugend-)Kulturen transkulturelle Bastarde sind. Es ist Zeit für ein gutes Buch über diese Zusammenhänge: Wie entsteht „Kultur“, wie „Mode“? „Kulturelle Aneignung“ ist der gemeinsame Nenner dieses Buches. Jedoch soll der ideologiekritische Überbau nicht im Mittelpunkt stehen, sondern konkrete – ethnographische? – Beiträge zur Entwicklung von Kultur(en). Von den höfischen Filzlocken des 17. Jahrhunderts zur Rastafarian-Kultur des 20.; der Weg der Hoodie X und Sneaker Y von der weißen Jugendboheme in die Bronx und zurück; davon, dass Punk eben nicht in Osnabrück oder Magdeburg, Techno nicht in Frankfurt oder Berlin erfunden, aber dort vielleicht wesentlich transformiert und neu geschaffen wurden; und warum Deutschland nicht nur Rock’n’Roll-frei, sondern überhaupt sub- und jugendkulturell eine ziemliche Wüste wäre ohne kulturelle Aneignung aus Angloamerika, das wiederum … Das alles hat selbstverständlich mit kapitalistischen und zum Teil neokolonialistischen Ausbeutungsverhältnissen zu tun, aber auf der individuelle Ebene auch mit kultureller Dissidenz, Persönlichkeitsentwicklung … Ich wünsche mir zahlreiche sehr konkrete Beispiele über konkrete (Jugend-, Musik-, Mode-, Literatur- …)Kulturen, neben zwei oder drei grundsätzlichen Essays.

Das Buch soll 2023 erscheinen. Ich freue mich auf Beitragsangebote bis Ende August 2022 an klaus.farin@hirnkost.de.


Neue deutsche Schlagerwelt

Zur Schlager-Generation der 1950er- bis 1970er-Jahre gibt es Einiges. Aber nicht zur Generation Fischer-Berg-Egli-Ott usw. Welche Bilder von Gesellschaft/Familie/Geschlecht usw. transportieren Schlager heute? Reproduzieren sie immer noch eine scheinheil(ig)e Welt von gestern oder sind sie inzwischen in der Realität angekommen? Sind sie besser als ihr Ruf – oder noch viel schlimmer? Warum stehen so viele Punk(band)s auf Schlager? Und warum tauchen Roland Kaiser und Marianne Rosenberg heute immer noch (oder wieder) in den TOP 10 der Schlager-Charts auf – dazu gibt es bisher keine profunden Analysen. Und schon gar keine Rezeptionsforschung: Warum hören welche Leute Schlager? Das wäre ein sicher spannendes Projekt, nicht nur für Ethnolog:innen und Musikwissenschaftler:innen und ihre Studierenden. Und: Wie unterscheidet sich der deutsche Schlager von den Schlagerwelten in anderen Regionen und Kulturen?

Das Buch soll im Herbst 2023 erscheinen. Ich freue mich auf Beitragsangebote bis Ende 2022 an klaus.farin@hirnkost.de.


Älter werden in Jugend- und Subkulturen

Wir leben in einer überalterten Gesellschaft des Jugendkults. Die Werbung hält selbst Senior:innen an, sich Cremes zu kaufen, damit wenigstens ihre Haut „jung“ bleibt. Ein gelassenes Selbstbewusstsein – „Ich bin jetzt 40, 45, 50 … und das ist gut so“ – scheint es für die Ü-30-Jährigen nicht zu geben. Jede:r will und soll heute ewig „jung“ bleiben – egal, wie alt er/sie tatsächlich ist.

Punk, Skinhead, Gothic, Hardcore und viele weitere Szenen gelten als „Jugendszenen“. Zurecht insofern, dass der Einstieg fast aller Szene-Angehörigen in ihrer Teenager-Zeit liegt und die große Mehrzahl der Szene-Angehörigen in der Tat unter 30 ist. Doch es gibt eben auch die, die älter geworden sind und immer noch „ihrer“ Szene treu bleiben. Sie sind auch mit 50, 60, 70 immer noch Punks, Skins oder Gothics und bewegen sich in den entsprechenden subkulturellen Netzwerken.

Funktioniert das? Wie steht es um die Anerkennung der jüngeren Szene-Mehrheit für die „Oldies“, die „Erwachsenen“ in der Szene? Welche Rolle(n) spielen die Älteren? Werden ihre oft über Jahrzehnte gewachsenen Erfahrungen abgerufen? Empfinden die Jungen sie wegen ihres Alters als „peinlich“ oder im Gegenteil als besonders „cool“? Wie reagiert die allgemeine Öffentlichkeit auf 50-, 60-, 70-jährige Punks, Skins oder Gothics? Und wie sehen die „Oldies“ selbst die Szene und deren Entwicklung im Laufe der Jahre? Sind für sie alle Nachwachsenden nur „Poser“, die es nicht wirklich „ernst meinen“, oder orientieren sich die Älteren an den Jüngeren und suchen den Austausch im Gespräch?

Das Buch soll 2024 erscheinen. Ich freue mich auf Beitragsangebote bis Ende 2022 an klaus.farin@hirnkost.de.


Utopien in der Science Fiction

Die Zeit ist im Umbruch, die Erkenntnis, dass der noch herrschende neoliberale Materialismus keine Antworten auf die drängenden Fragen des 21. Jahrhunderts geben wird, hat inzwischen mehr Menschen erreicht als je zuvor. Doch wie soll es nun weitergehen? Wir brauchen Ideen. Wir brauchen Utopien.

Das Genre der Utopien ist die Science Fiction. Auch wenn das Böse, apokalyptische Katastrophen bis zum Untergang aller Welten uns offensichtlich schon immer mehr fasziniert haben als das Gute. „Und es ward ein Hagel und Feuer, mit Blut gemengt, und fiel auf die Erde; und der dritte Teil der Erde verbrannte, und alles grüne Gras verbrannte“, warnte schon ein literarischer Klassiker vor rund 2.000 Jahren vor den Folgen des Klimawandels. Utopien können nicht überleben ohne ihr Gegenbild, die Dystopien, ohne die Angst vor dem Scheitern der Menschheit. „Wer nicht wenigstens gelegentlich am guten Ausgang einer Sache zweifelt, braucht keine Zukunftsvisionen – gleichgültig, ob es sich um einen Science-Fiction-Roman oder eine aktuelle Trendanalyse handelt. Wer halbwegs überzeugt ist, dass er ein langes Leben in Glück, Reichtum und Weisheit führen wird, braucht keine Utopien.“ (Thomas Macho)

Vor allem technische Innovationen – das Herzstück der Science Fiction – sind in der Regel Utopie und Dystopie zugleich: Raumschiffe bringen uns in den Weltraum, aber auch furchterregende Aliens und unbekannte Viren zu uns zurück; sie explodieren, ermöglichen den Krieg der Sterne und die Diktatur über die Menschheit. Die rasante Geschwindigkeit der Eisenbahn würde Menschen töten, fürchteten Skeptiker schon im 19. Jahrhundert. Bio- und Gentechnologie retten nicht nur Menschenleben und rotten bisher unheilbare Krankheiten aus, sie produzieren auch neue Seuchen und töten ihre Schöpfer. Und mitunter ist erst eine totale Apokalypse notwendig, um Platz für Besseres zu schaffen. Erst die fast vollständige Auslöschung der Spezies Mensch motiviert die Überlebenden zur radikalen Umkehr. In dem kleinen Wörtchen fast scheint dann die evolutionäre Hoffnung durch.

Schon im 19. Jahrhundert, in der Kaiserzeit und Weimarer Republik gab es in der Science Fiction interessante Utopien. Wir wollen diesen Schätzen in einer kleinen historischen SF-Edition nachspüren, die interessantesten Romane von einst wiederentdecken und neu veröffentlichen. Und das Thema Utopien auf einem großen KONGRESS DER UTOPIEN in 2025 präsentieren. Wir sind für jede Anregung dankbar: Welche deutschsprachigen SF-Klassiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wären für heutige Leser:innen spannend, hätten uns heute noch viel zu sagen und sollten deshalb neu veröffentlicht werden? Wer kennt sich mit dem Thema Utopien & Science Fiction gut aus und hätte Lust, auf unserem Kongress zu referieren? Oder einen Essay für den Begleitband beizutragen?

Das Buch soll im Herbst 2025 erscheinen. Ich freue mich auf jegliche Anregungen und Beitragsangebote an klaus.farin@hirnkost.de.


Alle Werke erscheinen als Hardcover und E-Book bei https://www.hirnkost.de/ bzw. https://shop.hirnkost.de/. Selbstverständlich gibt es für die Beiträge auch ein Honorar: 12 Prozent des Ladennettopreises bzw. mindestens 3.200 Euro werden als Garantiehonorar entsprechend der Seitenanteile an die Autor:innen ausgeschüttet. Außerdem können die Beiträge ab Erscheinen des Buches zweitverwertet werden – das Copyright verbleibt bei den Autor:innen.

Verlagsmitarbeiter:in Schwerpunkt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Vertriebsmarketing (m/w/d)

— DIESES STELLENANGEBOT IST NICHT MEHR AKTUELL —

Der Hirnkost Verlag entstand 2003 aus dem Berliner Archiv der Jugendkulturen e. V. heraus, um die Erkenntnisse dieser einmaligen Institution zu publizieren. Er wird von Klaus Farin als Geschäftsführer ehrenamtlich geleitet. Der Fokus des Programms liegt auf soziokulturellen Sachbüchern, die durch themenbezogene Belletristik, autobiographische Erzählungen und eine wissenschaftliche Reihe ergänzt werden. Inhaltliche Schwerpunkte sind Jugend- und Subkulturen, Science Fiction und Migration/Flucht.

Aufgabenbeschreibung:

Wir suchen eine:n Mitarbeiter:in in unserem Verlag, Schwerpunkt: Vertrieb (30 Stunden / Woche).

In einem kleinen Verlagsteam wie unserem (aktuell drei Personen) ist es wichtig, flexibel zu sein und Lust mitzubringen, sich mehreren Aufgaben parallel zu widmen.

Deine Aufgaben:

  • Allgemeines Büromanagement: Zuarbeit zur Buchhaltung
  • Vertrieb: Betreuung von VLB und VLB-tix, Verschlagwortung der Titel, Betreuung der Verlagsauslieferung und Barsortimente, Ausbau des Netzwerks und titelbezogene Akquise von Vertriebspartnern
  • Presse: Titelbezogene Pressearbeit
  • Veranstaltungen: Organisation und Planung von Veranstaltungen wie Märkten, Buchmessen etc.

Erwartete Qualifikation:

  • Du bringst eine gute Kommunikationsfähigkeit mit
  • Du kennst bereits das Verlagswesen bzw. den Buchhandel, von Vorteil sind insbesondere Vorkenntnisse im Umgang mit VLB und VLB-tix sowie dem Verfassen von Pressetexten; absolute Berufsanfänger:innen können wir derzeit leider nicht einarbeiten
  • Du bist fit in den gängigen Office-Programmen
  • Du bringst eine Affinität zu Jugend- und Subkulturen mit, insbesondere zu den Verlagsschwerpunkten Punk, Science Fiction und Flucht und Migration
  • Bonus: Führerschein Klasse B

Wir bieten dir:

  • Einen Arbeitsplatz im Herzen Neuköllns
  • Flexible Arbeitszeiten 30 Stunden die Woche
  • Ein nettes Umfeld im kleinen Team
  • Ein Gehalt von derzeit rund 1.500 Euro netto. Weniger wird es nicht, mehr, sobald der Verlagsumsatz wieder steigt
  • Die Stelle ist unbefristet und ab sofort zu besetzten

Wenn du uns kennenlernen möchtest, schicke uns deine Bewerbung im PDF-Format (max. 5 MB) an prverlag(at)hirnkost.de (Klaus Farin, Melanie Wylutzki).

Wir freuen uns auf dich!

Mehr über uns auf: www.hirnkost.de; https://shop.hirnkost.de/

Ich würde vorschlagen, den klassischen christlichen Dreiklang aus Glauben, Hoffnung und Liebe um den Humor zu erweitern.

In dem Satireband „Die Krone der Schöpfung“ greift die Professorin für Allgemeine Pädagogik Margit Stein Szenen aus dem Leben und unserem Alltag auf, die sie pointiert und schwarzhumorig betrachtet. Im Interview erzählt sie uns über ihre Motivation und warum Humor so wichtig ist.

Liebe Margit, schön, dass du die Zeit gefunden hast, ein paar Fragen für uns zu beantworten. Magst du den Leser:innen kurz erzählen, wer du bist?

Ich bin 46 Jahre alt, sehr stark umweltbewegt und an vielfältigen gesellschaftlichen sowie psychologischen Zusammenhängen interessiert. Seit dreißig Jahren genau bin ich auch für die Menschenrechte in verschiedenen Vereinen und Initiativen engagiert.

Auch als Professorin für Erziehungswissenschaften bin ich mit vielfältigen sozialen Feldern beschäftigt, wie etwa der Erziehung und Sozialisation in der Familie, der Schule, der außerschulischen Jugendarbeit und auch der informellen Gruppe Gleichaltriger. Mich interessieren in meiner Forschung und Lehre insbesondere die Bereiche der sozialen Entwicklung und hier vor allem der Bereich der Entwicklung persönlicher Werte und Überzeugungen etwa im politischen oder religiösen Bereich.

Mit vielem, was mich im gesellschaftlichen Bereich interessiert, befasse ich mich nicht nur in meiner Forschung durch Umfragen oder Befragungen, sondern auch belletristisch oder grafisch. Ein paar der gesammelten Eindrücke habe ich nun in dem Satireband „Die Krone der Schöpfung“ zusammengestellt.

Daneben bin ich Partnerin und Mutter und aktuell sehr durch meine kleine Tochter gefordert.

Was hat dich bewogen, einen satirischen Rundgang durch unsere Welt zu machen?

Es gibt ja leider immer genug Situationen, die man nur noch mit Humor nehmen kann, so traurig sind sie. In den Satiren spreche ich ein paar dieser gesellschaftlichen Fehlentwicklungen an, durch die ich zum satirischen Rundgang bitte. Wir begeben uns etwa hinter die Fassaden von Beziehungen, wo sich Menschen oftmals nur mehr über Verordnungen und rechtliche Richtlinien etwa in Eheverträgen und Ehevereinbarungen begegnen. Weiter betreten wir auf unserem satirischen Rundgang die Berater- und Behandlungsräume jener Geschäftemacherinnen und Geschäftemacher, die gutgläubigen Zeitgenossen durch Rückführungen in frühere Leben oder Energiereinigungen das Geld abknöpfen, pure Lebensfreude verkaufen oder sich kreativ als Makeup-Artists ausleben und jeden neumodellierten fünffarbigen Fingernagel fast schon zum Preis eines Picassos verkaufen. Es gibt auch Einblicke in eine völlig entmenschlichte Arbeitswelt vor, in der man sich selbst nur noch als Humankapital optimiert, bis hin zum Einfrieren von Eizellen, um den Kinderwunsch auf die Zeit nach dem Renteneintritt zu verschieben.

Bei der Verhinderung sklavenähnlicher Arbeitsverhältnisse leisten die Leserinnen und Leser auch einen direkten Beitrag durch den Kauf des Satirebandes, da der Erlös aus dem Autorenhonorar komplett an den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ von Peter Kossen geht.

Wie wichtig ist für dich (bissiger) Humor, um durch Zeiten, die durch Pandemien, Umweltkatastrophen usw. geprägt sind, zu kommen?

Es gibt so viele Entwicklungen und Situationen auf dieser Welt, die ich in den Satiren anspreche, die man nur noch mit Humor ertragen kann. Die Umweltzerstörung und die Klimaerwärmung, die Pandemie und vor allem der Umgang damit, etwa die Ignoranz und der Verschwörungsglaube, sind nur ein paar Beispiele dafür.

Ich würde also vorschlagen, den klassischen christlichen Dreiklang aus Glauben, Hoffnung und Liebe, wie es im Korintherbrief heißt, um den Humor zu erweitern. Wir brauchen den Glauben an das Gute im Menschen, das man herauskitzeln und fördern kann, die Hoffnung, dass auch in der schlimmsten Situation ein Ausweg vorhanden ist, und die Freude am Leben und die Liebe zu allen Menschen trotz ihrer Schwächen. Aber wir brauchen auch den Humor, um an dieser Welt nicht zu zerbrechen und an den menschlichen Schwächen – natürlich auch insbesondere meiner eigenen Schwächen – nicht zu verzweifeln.

Woher nimmst du die Inspiration für die anekdotenhaften Szenarien in deinem Buch?

Ich werde meist durch bestimmte Begegnungen oder Vorkommnisse zu einer Satire angeregt, die mir zufällig „über den Weg laufen“. Diese kurzen Erlebnisse oder Begegnungen aus dem Alltag baue ich dann in der Phantasie erst gedanklich weiter aus und bringe sie schließlich zu Papier. Oft habe ich schon ein paar erste Ideen gleich unmittelbar in der Situation notiert oder mir selbst auf das Handy aufgesprochen. Und wenn ich mich dann zuhause an den PC setze und mich weiter in die Geschichte hineinvertiefe, kommen die Gedanken so schnell, dass ich oftmals kaum mit dem Schreiben hinterherkomme.

Die Idee für die erste Satire des Bandes „Die Krone der Schöpfung“ etwa über die monogamen Tauben kam mir in der Berliner U-Bahn, als zusammen mit einer Gruppe von drei Männern auch eine Taube einstieg, sich in aller Seelenruhe zwischen die Fahrgäste setzte, um fünf Stationen später von der U2 in die U7 zu wechseln. Als einer der Männer despektierlich „Flugratte“ zu ihr sagte, die Taube jedoch in stoischer Gelassenheit die Schmähung über sich ergehen ließ, erwiderte ich zu ihrer Ehrenrettung, wie man denn nur so über eine Brieftaube sprechen könne, die offenbar auch für uns Menschen richtungsweisend Kurzstreckenflüge meide und auf die Bahn umgestiegen sei. Die ersten Ideen für die Geschichte mit der Taube schrieb ich dann schon auf meinem Laptop auf der Zugfahrt zwischen Berlin und Hannover nieder.

Die Satire über den Mann, der seine Frau mit einem Fahrrad betrügt, kam mir, als ich immer wieder Abend für Abend im Haus gegenüber durch die hell erleuchteten Fenster dasselbe Schauspiel erlebten konnte: ein Mann trägt sein Fahrrad in das Wohnzimmer, setzt es vorsichtig neben dem Sofa ab, um dann ganz offensichtlich gemütlich mit seinem Fahrrad fernzusehen, wobei über die Sofalehne hinaus nur mehr der Kopf des Mannes und das Vorderrad des Drahtesels ragten. Eben der ganz normale Wahnsinn.

Und als ich mir die ein oder andere Wahlkampfrede zur Bundestagswahl anschaute, dann war der Weg zur Satire „Heimatliebe“ natürlich auch nicht mehr weit.

Margit Stein
Die Krone der Schöpfung

Erzählungen
264 Seiten
Hardcover mit Lesebändchen
ISBN 978-3-948675-43-1
Oktober 2021

Welches Szenario in „Die Krone der Schöpfung“ geht dir persönlich besonders nah?

Besonders ärgern mich etwa aktuell mit Sicherheit die in der eben erwähnten Satire „Heimatliebe geht durch den Magen“ dargestellten populistischen Tendenzen bei einigen Parteien, die ich hier bezogen auf ein Thema – nämlich das Essen – aufgreife und ins Absurde wende. Hier wird Wahlkampf auf dem Rücken bzw. im Verdauungstrakt der Bürgerinnen und Bürger ausgetragen. Mit dem Thema Populismus und Extremismus befasse ich mich auch in meiner Forschung. Die Satire ist ein gutes Beispiel dafür, dass ich meinen Ärger literarisch und illustrativ verarbeite.

Inwiefern beeinflusst dich dein beruflicher Hintergrund als Professorin für Pädagogik an der Universität Vechta? Sind pädagogische Themen solche, über die du besonders gern schreibst?

Mein beruflicher Hintergrund beeinflusst mich auf jeden Fall. Ich bin thematisch in meiner Arbeit mit der Herausbildung eines tragbaren Beziehungs- und Erziehungsmusters befasst und mit der Herausarbeitung von gesellschaftlichen Strukturen, die möglichst allen Menschen ein lebenswertes und erfülltes Leben ermöglichen.

Was dies bedeuten kann und vor allem, was uns daran hindert, so zu leben, versuche ich auch in den Satiren humoristisch darzustellen.

„Die Krone der Schöpfung“ ist wunderbar illustriert. Zu jeder Geschichte gibt es ein passendes Bild – was war zuerst da: Wort oder Bild?

Zunächst waren auf jeden Fall die Geschichten da. Aber da ich auch immer ganz klar vor meinem geistigen Auge die Protagonistinnen und Protagonisten oder die Kulisse hatte, drängte es mich dazu, diese auch grafisch festzuhalten. Ich arbeite gerne mit Kohle, mit der man in nur wenigen Strichen oftmals viel einfangen kann. Ich zeichnete unterwegs, zusammen mit Freunden und während meine kleine Tochter auf meinem Schoß schlief. Erst illustrierte ich nur die Tiersatiren – diese sind auch im Satireband jeweils mit vier Abbildungen versehen, dann auch jeweils mit einem Bild die anderen Geschichten.

Ich zeichne und male überhaupt sehr gerne und verschwand schon im Kindergarten oftmals gleich nach meiner Ankunft in der Mal- und Bastelecke.

Es wird ja noch einen zweiten satirischen Gang durch die Welt geben. Was erwartet uns darin?

Der zweite Band versammelt einige meiner Lieblingssatiren. So beginnt er etwa mit meiner ersten Satire, deren Anfänge schon im Jahr 2014 liegen. Damals versuchte ich über Wochen eine ungeliebte bei mir eingezogene Mitbewohnerin zu delongieren, die sich bei mir in der Wohnung ohne Mietvertrag ungebeten einquartiert hatte und sich mit mir ein Katz-und-Maus-Spiel lieferte. Wir arrangierten uns mühsam und ich hatte mich eigentlich schon daran gewöhnt, wenn andere über ihren neuen Partner oder Kinderzuwachs berichteten, anzugeben, dass ich gegenwärtig mit einer Maus zusammenlebe. Während ich die zwei Schlafzimmer belegt hatte, hatte sie sich in Küche und Esszimmer eingerichtet. Ich versuchte alles, um sie in ihrem Expansionsdrang zumindest auf diese beiden Zimmer einzugrenzen, aber Altbauwohnung und den schlecht schließenden Türen sei Dank zwängte sie sich unter jedem Türschlitz durch, begutachtete widerrechtlich auch meine Zimmer und morgens konnte ich nur anhand ihrer Fressspuren ihre nächtlichen Exkursionen nachvollziehen. Dem Einfallsreichtum und der Intelligenz der Maus bei diesem Spiel setzte ich damals ein literarisches Denkmal.

Eine meine Lieblingssatiren nimmt unsere vielfältigen Süchte jenseits der offiziell anerkannten wie etwa der Drogen-, Spiel- oder Kaufsucht aufs Korn,. Je nachdem, wem ich die Satire vorlas, setzte ich jeweils andere Süchte ein und schrieb immer wieder um. Die Leserinnen und Leser können sich also überraschen lassen, welche lebenseinschränkenden Angewohnheiten und Konsummuster nun tatsächlich porträtiert werden!

Margit Stein wurde 1975 in Niederbayern geboren. Nach dem Studium der Psychologie und Pädagogik war sie unter anderem in einem Kinderdorf, einer neurologischen Fachklinik und einer psychosozialen Beratungsstelle tätig. Seit 2009 ist sie Professorin, zunächst für Soziale Arbeit, dann für Erziehungswissenschaften an einer niedersächsischen Universität.
(Foto © privat)

Schwärmereien sind keine reine Mädchen-Sache

Neulich berichtete Georg Howahl in der WAZ über das Phänomen kreischender junger Menschen vor den Bühnen der Popstars, von Posterwahnsinn an Jugendzimmerwänden und wie sich diese Schwärmerei im Laufe der Zeit verändert. In diesem Zuge hat er auch mit Klaus Farin gesprochen, der sich u. a. in Über die Jugend und andere Krankheiten mit diesem Thema auseinander gesetzt hat.

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